Geographie bestimmt Überleben von Babys mit angeborenen Fehlbildungen auf der ganzen Welt

23.07.2021 -  

 

www.globalpaedsurg.comDas Überleben für ein Baby mit einer angeborenen Fehlbildung hängt davon ab, wo man geboren ist, so Wissenschaftler aus 74 Ländern.

Eine im The Lancet veröffentlichte Studie untersuchte die Mortalität von fast 4000 Babys, die mit angeborenen Fehlbildungen in 264 Krankenhäusern auf der ganzen Welt geboren wurden. Die Studie ergab, dass Babys mit Fehlbildungen, die den Darmtrakt betreffen, in einem Land mit hohem Einkommen eine Chance von eins zu zwanzig haben zu sterben, verglichen mit einer Mortalität von eins zu fünf in einem Land mit mittlerem Einkommen und zwei zu fünf in einem Land mit niedrigem Einkommen. Dies zeigt die eklatanten Unterschiede in Health equity welche weiterhin 2021 vorherrschen.

GlobalPaedSurg_Infographic-final2Gastroschisis, eine Fehlbildung, bei dem die Eingeweide des Babys durch eine Lücke am Nabel herausragen, weist den größten Unterschied in der Sterblichkeit auf: 90 % der Babys sterben in Ländern mit niedrigem Einkommen, verglichen mit 1 % in Ländern mit hohem Einkommen. In Ländern mit hohem Einkommen sind die meisten dieser Babys in der Lage, ein ohne Einschränkungen oder mit beherrschbaren Bedürfnissen zu leben.

Studienleiterin Dr. Naomi Wright hat sich in den letzten vier Jahren mit der Untersuchung dieser Ungleichheiten beschäftigt. Sie sagte: "Die Geographie sollte nicht die Ergebnisse für Babys bestimmen, die korrigierbare chirurgische Bedingungen haben. Das Ziel der nachhaltigen Entwicklung, 'vermeidbare Todesfälle bei Neugeborenen und Kindern unter 5 Jahren bis 2030 zu beenden', ist ohne dringende Maßnahmen zur Verbesserung der chirurgischen Versorgung von Babys in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen nicht zu erreichen."

Die Verbesserung der chirurgischen Versorgung von Neugeborenen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen muss weltweit in den Mittelpunkt gestellt werden. Während in den letzten 25 Jahren große Erfolge bei der Reduzierung der Mortalität bei Kindern unter 5 Jahren durch die Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten erzielt wurden, hat man sich kaum auf die Verbesserung der chirurgischen Versorgung von Säuglingen und Kindern konzentriert, und tatsächlich steigt der Anteil der Mortalität im Zusammenhang mit chirurgischen Erkrankungen weiter an. Fehlbildungen sind heute weltweit die fünfthäufigste Todesursache bei Kindern unter 5 Jahren, wobei die meisten Todesfälle in der Neugeborenenperiode auftreten. Fehlbildungen, die den Darmtrakt betreffen, haben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen eine besonders hohe Sterblichkeitsrate, da viele von ihnen ohne chirurgische Notfallversorgung und parenterale Ernährung nach der Geburt nicht lebensfähig sind.

In Ländern mit hohem Einkommen erhalten die meisten Frauen standardisierte pränatale Ultraschalluntersuchung, um mögliche Fehlbildung pränatal zu entdecken und so die Geburt zu planen. Wenn eine angeborene Fehlbildung vermutet wird, dann wird die Frau im besten Fall in einem Krankenhaus mit adäquater neonataler und kinderchirurgischer Versorgung entbinden, so dass das Baby sofort nach der Geburt fachkundliche spezialisierte versorgung erhält. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen kommen Babys mit diesen Erkrankungen oft erst spät und in schlechtem klinischen Zustand im kinderchirurgischen Zentrum an, da Ultraschalluntersuchung flächendeckend und standardisiert als Teil der Schwangernvorsorge zur Verfügung stehen. Die Studie zeigt, dass Babys, die bereits mit einer septischen Infektion im kinderchirurgischen Zentrum ankommen, ein höheres Sterberisiko haben. Oft müssen die Familien auf eigene Kosten weit Reisen um überhaupt eine Behandlung erhalten zu können.

Die Studie unterstreicht die Wichtigkeit der perioperativen Versorgung (die Versorgung vor und nach der Operation oder dem Eingriff) im kinderchirurgischen und neonatologischen Zentrum. Babys, die in Krankenhäusern ohne Zugang zu Beatmung und intravenöser Ernährung behandelt wurden, hatten eine höhere Mortalität. Darüber hinaus waren das Fehlen einer qualifizierten Anästhesieunterstützung und die Nichtverwendung einer chirurgischen Sicherheitscheckliste zum Zeitpunkt der Operation mit einem höheren Sterberisiko verbunden.

Die Verbesserung der Überlebensrate unter diesen Bedingungen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen beinhaltet drei Schlüsselelemente:

1) Verbesserung der pränatalen Diagnose und der Entbindung in einem Krankenhaus mit kinderchirurgischer Versorgung,

2) die Verbesserung der chirurgischen Versorgung von Babys, die in Distriktkrankenhäusern geboren werden, mit sicherem und schnellem Transfer in ein kinderchirurgisches Zentrum,

3) die Verbesserung der perioperativen Versorgung von Babys im neonatologisch-kinderchirurgischen Zentrum.

Dies erfordert eine starke Teamarbeit zwischen Hebammen- und Geburtshilfe-Teams, Neonatologie- und kinderchirurgischen Teams sowohl im kinderchirurgischen Zentrum als auch zwischen Krankenhäusern. Zudem bedeutet dies auch die Notwendigkeit für adäquate Transportmöglichkeiten um überregionale Zusammenarbeit und Vernetzung zu ermöglichen.

Neben lokalen Initiativen muss die chirurgische Versorgung von Neugeborenen und Kindern in die nationale und internationale Kindergesundheitspolitik integriert werden und sollte innerhalb der globalen Kindergesundheit nicht länger vernachlässigt werden.

Der Artikel kann in voller Länge auf der Website von The Lancet eingesehen werden: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(21)00767-4/fulltext

Letzte Änderung: 26.07.2021 - Ansprechpartner:

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